Photovoltaik Vorurteile

Kaum eine Branche hat in Deutschland mehr mit Vorurteilen zu kämpfen, als die Photovoltaik.  Dabei werden diese aus den unterschiedlichsten Interessen aus Politik, Medien, Industrie und vielen weiteren Akteuren befeuert. Die meisten davon entbehren jeglicher Grundlage und werden durch singuläre Alltagserfahrungen in sozialen Medien unhinterfragt zum Besten gegeben. Dabei geraten wissenschaftliche Ergebnisse und die harten Fakten ins Hintertreffen. In der Reihe #Tuesdays of Tomorrow auf unseren Kanälen in den sozialen Medien haben wir die gängigsten Vorurteile einmal mit den aktuellsten Ergebnissen aus Forschung und Wissenschaft und unseren umfangreichen Erfahrungen aus der Praxis beleuchtet. Dies hat viel Beachtung gefunden und aus dem Grund arbeiten wir diese auf dieser Seite noch einmal gründlich auf.

Solarparks versiegeln Fläche

Immer wieder sind wir der Kritik ausgesetzt, dass wir mit unseren Anlagen Landschaft verschandeln, Flächen versiegeln und der Landwirtschaft Flächen wegnehmen. Das Gegenteil ist der Fall - in allen drei Punkten. Und der Vorteil: Wir liefern sauberen, erneuerbaren Strom. Wir stehen vor der Herausforderung den Planeten für unsere Kinder nachhaltig zu gestalten. Packen wir es endlich an!

Zu einer Versiegelung von Flächen kann es weder von Dachanlagen noch durch Solarparks kommen. Eine Versiegelung gibt es nur, wenn es zu einer Oberflächenabdichtung des Bodens kommt. Die Unterkonstruktionen bei Freiflächenanlagen sind nur ein minimaler Eingriff in die Oberflächenstruktur einer Fläche. Mittlerweile gibt es sogar hoch aufgeständerte Lösungen unter denen z.B. Kartoffeln angebaut werden können. Eine Solaranlage versiegelt daher nicht den Boden, noch nimmt sie dem Boden Licht und andere Witterungseinflüsse.

Genausowenig nehmen PV Anlagen Landwirten landwirtschaftliche Nutzfläche weg. Dazu reicht ein Blick ins EEG (Erneuerbare Energien Gesetz). Eine Solaranlage darf in Deutschland nur auf Konversionsflächen (z.B. Abraumhalden), Industriegebieten und Flächen längs von Autobahnen und Schienenwegen errichtet werden. Andernfalls dürfen EEG-abgerechnete Anlagen nicht gebaut werden. Ackerland und Grünland hingegen darf nur als Fläche für eine PV Anlage genutzt werden, wenn diese als benachteiligtes Gebiet eingestuft wurde. So gesehen profitieren Landwirte sogar von schlecht zu bewirtschaftetnden Flächen, indem eine PV Anlage dort betrieben wird.

Ob nun PV Anlagen die Landschaft nun verschandeln ist reine Geschnackssache. Wir finden zwar, dass das Gegenteil der Fall ist, aber ein Wohnzimmer im Gelsenkirchener Barock findet ja auch seine Liebhaber. Im Vergleich aber zu einem Braunkohletagebau ist ein gut gepflegter Solarpark aber sicherlich eine Augenweide.

Solarmodule sind Sondermüll

Gängige Vorurteile besagen, dass Solarmodule Sondermüll wären und nur wenige Jahre halten. Das kann beides als Legende entlarvt werden. PV-Module lassen sich zu fast 100% recyceln. Das Vorurteil stammt aus der Anfangszeit der Photovoltaik als ein Hersteller bei einer Modulserie Cadmium als Dotierung eingesetzt hat. In der Gesamtschau betrifft dies weniger als 0,1 % der in Deutschland installierten Gesamtleistung. Heute verbaute Module bestehen zu 99% aus ungefährlichen Materialien. Die restlichen 1 % bestehen aus DIngen wie Lötzinn oder Dotierungen wie beispielsweise Phosphor oder Bor. Diese lassen sich aber nahezu rückstandslos im Recyclingprozess verwerten.

Gegenfrage: Wie sieht das mit den Rückständen aus Atomkraftwerken aus? Wie lässt sich Atommüll recyclen?

Auch das Vorurteil das Solarmodule nur wenige Jahre halten ist ein Märchen. Wir betreuen 500 MW Leistung in Europa, dabei sprechen wir von mehreren Zehntausend Modulen. Hierbei können wir nicht von einer grassierenden Degradation der Module sprechen, auch nicht bei denen, die jetzt 15 Jahre und älter sind. Natürlich geht mal ein Modul durch äußere Einflüsse kaputt, aber von der oft behaupteten Haltbarkeit von wenigen Jahren, kann keine Rede sein.

Schön ist, dass dieser Beitrag von uns seit einer Woche in Planung ist und just gestern ein sehr tendenziöser und in Teilen schlecht recherchierter Artikel in der Welt erschienen ist (https://www.welt.de/…/Fotovoltaik-Deutschland-hat-ein-200-0…) Warum haben die Journalisten nicht mal bei uns oder anderen Fachfirmen nachgefragt. Wir sind seit 20 Jahren, seit den Anfängen der Photovoltaik-Branche dabei, und es wurden bei uns noch nie ganze Anlagen einfach so entsorgt. In den meisten Fällen bekommen die Komponenten ein zweites Leben. Und nein, in den von uns betreuten Solarparks gab es noch nie einen massenhaften Austausch der Module aufgrund von Degradation. Was dort als Repowering bezeichnet wird ist kein Massenphänomen, sondern sind wahrscheinlich wenige Einzelfälle. Jedenfalls bei uns in Norddeutschland.

Die Produktionsenergie eines Solarmoduls ist höher als sie in Ihrer Lebenszeit einbringt

Heute wird es mit den Solarvorurteilen was komplizierter. Oft wird behauptet, dass ein Solarmodul in seiner Lebenszeit gar nicht die Energie erzeugt, die für Ihre Produktion benötigt wird. Ich mache es kurz: Das ist falsch.

Die lange Erklärung: Je nach Modultyp und Standort ist die energetische Armortisationszeit (oder pay-back time) unterschiedlich. Über den Daumen gepeilt sind das 7-100 Monate Laufzeit. Im schlechtesten Fall wären das also 8 Jahre, im besten ein halbes Jahr. Bei den von uns zur Zeit verbauten Modulen liegt diese Zeit bei ca. 4 Jahren.

Nach vier Jahren hat also ein Solarmodul die Energie wieder produziert, die es für seine Produktion aufgebraucht hat. Jetzt müssen wir das mal in Relation sehen. Kritiker benutzen den Zusammenhang doppelt falsch: Denn erstens spielt es bei einer durchschnittlichen Laufzeit eines Moduls von 25 Jahren, diesen um ein Vielfaches wieder ein und zweitens stellen wir uns doch mal vor, die Solarmodule, würden nur mit Solarenergie hergestellt werden. Bei letztem Punkt wissen wir, dass das zur Zeit sehr wahrscheinlich nicht der Fall ist. Aber wir stellen uns das mal vor: Dann hätten wir aus Energie, die sonst nicht da wäre und kein CO2 erzeugt, Module hergestellt, die wieder Energie produzieren.

OK, anders gesagt: Die Energie aus Solarmodulen erzeugt aus Sonne Strom, der sonst nicht da wäre. Wie sieht das mit Braunkohle aus? Die verbrauchen wir und ist am Ende nicht mehr da. Es gibt keine Zweitverwertung von verbrannter Braunkohle. Das ist der Denkfehler.

Solarnalagen rentieren sich nur in südlichen Ländern

Warum bauen wir nur in Deutschland und überhaupt in Nordeuropa Solaranlagen? Im Süden ist das doch viel sinnvoller! Das ist fast das Vorurteil Nummer 1. Auch das ist leider immer wieder ein Hauptargument gegen Solarenergie. Und es ist kurz gesagt: falsch.

Richtig ist, das in Äquatornähe die Sonneneinstrahlung höher ist als in unseren Breitengraden. Man spricht hierbei von der Globalstrahlung. Diese lässt sich auch beziffern, denn in Deutschland haben wir ungefähr 50% der Globalstrahlung im Vergleich zum Äquator. Anders ausgedrückt, haben wir in Deutschland um die Hälfte weniger Sonneneinstrahlung als am Äquator. Das bedeutet im Umkehrschluss nicht, dass sich eine Solaranlage in Deutschland nicht lohnt, denn nicht nur das direkte Sonnenlicht, sondern auch das diffuse Licht, wird von einer Solarzelle in Strom umgewandelt.

Weiter ist es so, dass es in südlicheren Ländern - und gerade auch am Äquator - wärmer ist. Was für die Sonnenanbeter gut, ist für Solarzellen eher schlechter. Der Wirkungsgrad der Solarpanele verringert sich bei steigender Temperatur. Grob gesagt liefern Solarnalgen bei 20 Grad Umgebungstemperatur ca. 20% mehr Leistung als bei 35 Grad. So gesehen wird ein Teil der geringeren Sonneinstrahlung durch die für Solaranlagen bessere niedrigere Umgebungstemperatur wett gemacht.

Solaranlagen in nördlicheren Gefilden lohnen sich also durch den höheren Wirkungsgrad und die Ausbeute der diffusen Strahlung.

Ein Beispiel aus der Praxis: Wenn eine in Deutschland wohnende vierköpfige Familie 4.000 kWh pro Jahr verbraucht bräuchte sie eine Anlage mit der Größe von ca. 4 kWp, damit sie den gesamten Strom dafür produzieren könnte. Dafür bräuchte diese Famile gerade einmal 14 Solarmodule und das entspricht einer Fläche von 28 Quadratmeter.

Im Winter produziert eine Solaranlage keinen Strom

Auch im Winter produziert eine Solaranlage ausreichend Strom, auch wenn es einige nicht wahr haben möchten. Es ist sogar so, dass bei Kälte die Solarmodule einen viel höheren Wirkungsgrad haben.

Dieses Vorurteil kann mit den realen Ertragsdaten schnell widerlegt werden. Denn im Schnitt produzieren Solaranlagen ca. 30% des gesamten Jahresertrags in den Wintermonaten. Auch an dunklen Regentagen produziert die Solaranlage aus dem diffusen Licht sauberen Strom. Das ist ja nicht nur im Winter der Fall sondern auch in allen anderen Jahreszeiten. Man könnte jetzt noch über den Winkel der Sonneneinstrahlung diskutieren, aber es bleiben die 30% des Jahresertrags.

Auch wenn die Solaranlage vereist ist, produziert diese Strom. Lediglich bei Schnee sieht es anders aus. Vorweg schicken wir, dass Solarmodule durch ihre Glasoberfläche so gestaltet sind, dass Schnee schlecht auf der Oberfläche haftet. In der Regel sind die Module schnell wieder schneefrei. Wenn aber Schnee auf den Modulen liegt, dann produziert die Anlage in der Tat keinen Strom. Nach der Analyse unserer Daten haben wir in Norddeutschland im letzten Jahr keinen einzigen Tag schneebedeckte Module gehabt und im Jahr davor wurde auf den Anlagen im Schnitt 2 Tage kein Strom produziert. Das fällt im Jahresverlauf nicht auf. Natürlich haben wir auch Anlagen in höheren Lagen und im Gebirge. Da habe ich das auch mal nachgerechnet und kam in den schlechtesten Lagen auf 6 Fehltage pro Jahr. Denn durch die Sonneneinstrahlung sind die Module schnell wieder schneefrei und produzieren wieder sauberen Strom.

Der Strom aus Photovoltaik ist der Teuerste

Der Strom aus Atom ist doch billiger als der aus erneuerbaren Energien. Dieses Vorurteil wird sogar noch aus den Reihen der Friday For Future Bewegung damit befeuert, dass dieser ja auch CO2-neutral produziert werden kann. Dabei ist die Kostenseite an dieser Darstellung falsch. Das Gegenteil ist der Fall, denn Atomstrom ist der teuerste aller vorhandenen Stromproduktionsarten.

Während das EEG die Nebenkosten der erneuerbaren Energien für alle transparent macht und als einzige direkt mit dem Strompreis direkt an den Endkunden weitergegeben wird findet an dieser Stelle eine „eklatante Markverzerrung zu Lasten der erneuerbaren Energien statt“ (FÖS-Studie 2017). Kommen wir einmal zu den Zahlen. Während die EEG Umlage pro kWh derzeit bei 6,4 Ct pro kWh liegt müsste nach Einberechung der Folgekosten von Atomstrom die Umlage für Strom aus Atom bei etwas über 15 Ct pro kWh liegen. Das würde zu einer erheblichen Steigerung des Strompreises für Endverbraucher führen. Warum die Folgekosten von Atomstrom aber vom Staat getragen werden und die EEG Umlage von den Endverbrauchern selbst, wird ein Rätsel der politischen Entscheidungen und wirtschaftlichen Interessen bleiben.

Wie kommt es zu den hohen Kosten der Atomkraftwerke? Die Zahlen belegen die generelle Unwirtschaftlichkeit der Atomkraftwerke. Nach aktuellen Zahlen kosteten die Atomkraftwerke den Konzernen und dem Staat bisher 246 Milliarden Euro. Durch den Stromverkauf nahmen die Konzerne aber bisher nur 178 Milliarden Euro ein. Das ist bereits ein riesiges Verlustgeschäft. Völlig ungeklärt sind aber die weiteren Folgekosten. Was kostet der Abbau der Atomkraftwerke? Die Frage und die Kosten eines geeigneten Endlager des atomaren Mülls stehen aber noch als Fragezeichen am Horizont.

Vollkommen unvergleichlich ist der 2016 geschlossene Pakt zum Atomausstieg zwischen Betreibergesellschaften und Bundesregierung. Für 23 Milliarden Euro kaufen sich die Betreibergesellschaften frei von aller weiteren Verantwortung für den Abbau und die Endlagerung der Atomkraftwerke. Diese Kosten sind aber unüberschaubar und werden durch den Steuerzahler gedeckt. Ein kleines Beispiel: Der Abbau der alten DDR Atomkraftwerke läuft derzeit noch (ja rund 30 Jahre nach dem Ende der DDR). Und ein Ende ist dort noch nicht in Sicht. Die Kosten zum Abbau eines Atomkraftwerkes werden gerne mit 1,2 Milliarden Euro veranschlagt. Der Abbau des Atomkraftwerks Lubmin hat bisher 4 Milliarden Euro gekostet und der Abbau läuft noch bis mindestens 2028. Man beachte: Die Kosten für die Endlagerung sind da ja noch gar nicht entstanden. Der Atommüll dieses Abbaus wird derzeit noch auf dem Gelände des AKWs in Form eines Zwischenlagers realisiert. Von diesen im Abbau befindlichen DDR AKWs gibt es übrigens drei. In Deutschland stehen 17 weitere Atomkraftwerke. Wenn wir die 4 Mrd. einmal als fixe Endkosten nehmen würden (was unrealistisch ist!) wären das Abbaukosten von 80 Milliarden Euro. Und noch immer keine Kosten für das Endlager in den nächsten 5.000-10.000 Jahren. Macht schon jetzt ein Minus von 57 Milliarden Euro bei dem Atomausstiegspakt.

Das Wortspiel mit der Sicherheit in unserem Titel war Absicht. Bisher sind wir dem Himmel sei Dank von einem atomaren Unfall in einem unserer AKWs verschont geblieben. Aber wenn der Fall eintreten würde, kommen unvorstellbare Kosten und Schicksale auf uns zu. Gerade in einem dicht besiedelten Gebiet wie Mitteleuropa wären die Folgen noch dramatischer. Die Fukushima-Katastrophe hat bisher einen wirtschaftlichen Schaden von 150-187 Milliarden Euro verursacht. An der Stelle wollen wir hoffen, dass wir eine solche Rechnung nie anstellen müssen. Kleines Bonmot am Rande: Alle Atomkraftwerke in Europa sind gnadenlos unterversichert. Im Falle eines Schadens eines Atomkraftwerkes ist ein AKW in der Schweiz mit 188 Millionen Euro versichert. Achtung! Die Kosten von Fukushima lagen bei 187 MILLIARDEN Euro.

Es ist etwas länger geworden, aber das war nicht anders möglich. Die aktuellen Kosten von Atomstrom müssten mit 15 Cent pro Kilowattstunde auf den Strompreis hinzuaddiert werden. Die Folgekosten sind dort weitestgehend nicht eingepreist. Wie hoch sind die Folgekosten des Rückbaus von erneuerbaren Energien? Da brauchen wir kein Endlager und Solaranlagen, haben wir vor ein paar Wochen gezeigt: Kann man fast zu 100% recyclen.

Solarenergie treibt die Strompreise in die Höhe

Auch bei diesem oft verbreiteten Vorurteil wird von allerlei Medien und Politikern die Solarenergie immer wieder als Preistreiber verurteilt. Und ihr werdet es ahnen - hier ist nicht viel dran. Es ist sogar so, dass der Solarstrom regelmäßig die Preise an der Strombörse senkt.

Gerade zur Mittagszeit, an der der Strombedarf in Deutschland am höchsten ist, steht Solarstrom in der Regel am meisten zur Verfügung. Das senkt an der Leipziger Strombörse die Handelspreise. Wen wunderts, diese vergünstigten Einkaufsbedingungen werden nicht an den Verbraucher weitergegeben. Das einzige was der Verbraucher merkt, ist die sogenannte EEG Umlage, die auf den Strompreis hinzuaddiert wird. Wie wir aber bereits in der letzten Woche gesehen haben, müsste man die Folgekosten von Atomenergie und aller anderen konventionellen Energieformen eigentlich auch zum Strompreis hinzufügen, der alleine bei Atomstrom mehr als doppelt so hoch ausfallen müsste, als die EEG Umlage selbst. Das ist wiederum eine politische Entscheidung, warum die Kosten der erneuerbaren Energien direkt zum Strompreis addiert werden und die der konventionellen Stromerzeugung durch den Steuerzahler selbst ausgeglichen werden. Das ist eine eklatante Verzerrung zu Ungunsten der erneuerbaren Energien und führt eben zum Missmut in der Bevölkerung.

Wie setzt sich der Strompreis überhaupt zusammen? Der Beschaffungspreis, also die Energieerzeugung, mit dem Handel des Stroms an der Leipziger Strombörse schlägt mit 7,61 Ct pro Kilowattstunde zu buche. Die EEG Umlage beträgt 6,41 Cent. Die Netzentgelte verteuern die kWh um 7,22 Cent. Das ist die Gebühr, die die Inhaber der Stromleitungen für den »Transport« berechnen. Danach kommen Steuern und Abgaben von 9,61 Cent pro kWh hinzu. Fertig ist der durchschnittliche Strompreis von 30,85 Cent pro Kilowattstunde. Wenn Chancengleichheit zwischen der konventionellen Stromgewinnung und den erneuerbaren Energien herrschen würden, müsste wir deren Folgekosten ebenfalls zum Strompreis addieren. In der letzten Woche haben wir für Atomstrom die Kosten gesehen. Bei Atomstrom wären das 15,4 Cent pro Kilowattstunde, wobei die Endlagerkosten bei weitem nicht eingepreist werden können, daher wäre dieser Anteil wahrscheinlich wesentlich höher. Nach Berechnungen des FÖS müsste man dann zusätzlich Umlagen für Strom aus Steinkohle von 8,1 Ct/kWh, Braunkohle 10 Ct/kWh und Erdgas von 4,2 Ct/kWh zum Strompreis hinzuaddiert werden. Damit würde die Kilowattstunde Strom über 70 Cent kosten. Das wäre für den Endverbraucher nicht fair. Über die extrem vergünstigten Strompreise für die Industrie wollen wir an dieser Stelle nicht sprechen.

Wir möchten nicht, dass der Text hier zu tendenziös wird. Wir stehen vor einer gewaltigen Herausforderung – den Erhalt des Planeten. Der Mensch lebt in den vergangenen 100 Jahren klar über seinen Verhältnissen von Angebot und Nachfrage von vorhandenen Rohstoffen. Wissenschaft und Industrie haben gezeigt, dass wir die Herausforderungen der Energiewende stemmen können und da bedarf es weiterer Forschung und weiteren Entwicklungen. Es wäre fatal, unseren Wohlstand weiter auf endlichen Rohstoffen aufzubauen. Fangen wir doch lieber an uns der Herausforderung zu stellen und Strom aus erneuerbaren Energien herzustellen. Und dabei muss es aufhören die Solarenergie künstlich zu benachteiligen.

Die Energiewende gefährdet Arbeitsplätze

Ja, die Energiewende bedroht Tausende Arbeitsplätze. Das wäre aber nicht die erste Umschichtung in der Geschichte der Menschheit. Im Gegenteil, bisher hat das krampfhafte Festhalten an der "traditionellen" Energieerzeugung alleine in Deutschland 80.000 Arbeitsplätze in der Photovoltaikbranche gekostet.

Eines vorweg: Uns ist nicht jeder einzelne Arbeitsplatz egal. Wir wissen, an jedem davon hängt eine Geschichte, eine Familie und eine Existenz. Wir gehen selbst verantwortungsvoll mit unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern um. Jeder Wandel bringt aber umfassende Veränderungen mit sich. Man denke an die Entwicklung der Automobilindustrie, die Millionen Transportunternehmer gezwungen hat umzusteigen. Man erinnere sich an die wachsende IT-Branche, die viele traditionelle Branchen einfach weggefegt hat. Es wurde immer das Schreckensbild einer grassierenden Arbeitslosigkeit gezeichnet. Die Automobilbranche beheimatet jetzt hunderttausende Arbeitsplätze und auch die Digitalisierung der Arbeit, schafft mehr Arbeitsplätze, als sie abbaut.

Kommen wir mal zur Energieerzeugung. In der deutschen Braunkohle stecken insgesamt 20.000 Arbeitsplätze. Im Bereich Solarenergie arbeiten in Deutschland zur Zeit 32.000 Menschen. Der Vergleich soll jetzt nicht andeuten, dass in der PV Branche mehr Menschen arbeiten, sondern er soll zeigen, dass durch den massiven Rückgang der Zubauraten im PV-Bereich und der umfassenden Insolvenzen in der Branche, in den vergangenen zehn Jahren fast 100.000 Arbeitsplätze in der PV von der Politik vernichtet worden sind. Im Jahre 2010 arbeiteten noch 133.000 Menschen in Deutschland in der PV Branche. Die Lobby der zentralisitisch gestalteten Stromerzeugung arbeitet sehr gut. Aber in der zukunftsträchtigen Branche der Solarenergei hat man viele wichtige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verloren.

Bleiben wir beim Beispiel der Braunkohle-Stromerzeugung. Zwei Drittel der Angestellten in diesem Bereich gehen bis 2030 in Rente. Hier kann man einen sozialverträglichen (schreckliches Wort) Umbau durchaus gestalten. Und das restliche Drittel ist mit Sicherheit bei uns herzlich Willkommen. Wir suchen seit Jahren händeringend nach qualifizierten Elektrikern, Servicetechnikern u.v.a.m. Wir sind bereit eine Umgestaltung zu stemmen. Seid ihr es auch?

Solarmodule verlieren nach wenigen Jahren ihre komplette Leistung

Hartnäckig hält sich auch die Meinung, dass Solarmodule innerhalb weniger Jahre einen Großteil ihrer Leistung verlieren. Danach hätte der Betreiber eine Menge Sondermüll herumliegen, was wir schon vor einigen Wochen widerlegt haben. Kommen wir aber nun zum Leistungsverlust selbst.

Wir sind eines der größten PV-Serviceunternehmen in Nordeuropa. Wir betreuen mehr als 500 MWp Solarleistung in den verschiedensten klimatischen Bedingungen und den unterschiedlichsten Umwelteinflüssen. Dabei haben wir auch Anlagen die deutlich älter als 15 Jahre sind. Wir können einen derartigen Effekt nicht nachweisen. Auch nach 20 Jahren liefern die Solarmodule zufriedenstellende Leistungswerte.

Nach den Erfahrungen aus unserer Praxis kommen wir mal zu harten Zahlen aus der Wissenschaft. Untersuchungen zeigten, dass selbst Module aus den 70er Jahren, die bis jetzt im Dauereinsatz sind, im Schnitt noch mehr als 50% ihrer Leistung abrufen. Langzeittests an heute gefertigten Modulen zeigen, dass diese ungefäht 1% ihrer Leistung pro Jahr verlieren. Im Umkehrschluss haben sie noch 80% ihrer Leistung nach 20 Jahren.

Wie oft muss man in sozialen Medien lesen, dass die Module nach ein paar Jahren nicht mehr zu gebrauchen sind. Die Garantien der Hersteller werden als nichtangebrachte Werbung bezeichnet. Nein, es handelt sich um ein Ammenmärchen, dass PV-Module nach wenigen Jahren ihre Leistung verlieren. Aber es gibt ja immer jemanden, der jemanden kennt, der Ahnung davon hat und der hat gesagt, dass das so ist. Leute: Lest mehr Studien zu dem Thema oder kommt bei uns vorbei. Wir können mit Euch im Umkreis von weniger als 10 Kilometern um unsere Firmenzentrale mehr als 50 MWp besichtigen und Euch zeigen, dass wir keine Probleme mit Degradation haben. Und unsere Module stehen an 365 Tagen in der salzhaltigen Nordseeluft und wir sind eine Sturmregion.

Solarmodule liefern bei Wolken keinen Strom

Um Strom aus Sonne zu generieren muss sie scheinen. Das ist ganz klar. Und je stärker sie strahlt, umso mehr Strom kann ein PV-Modul produzieren. Im Umkehrschluß bedeutet das nicht, das an bewölkten Tagen ein Solarmodul keine Leistung erzeugt.

Gerade in unseren Breitengraden ist eine professionell geplante und an den Bedarf ausgerichtete Anlage in der Lage den Strombedarf eines Hauses oder Betriebes zu decken. Das auch an Tagen, an denen die Sonne nur bedingt oder gar nicht scheint. Das sogenannte Schwachlichtverhalten von Photovoltaikmodulen ist heutzutage sehr gut und das diffuse Licht wird von diesen sehr zuverlässig in Strom umgewandelt. Eine Faustregel gibt es da nicht, da auch an dieser Stelle wieder gilt: Die Modulleistung ist abhängig von der Sonneneinstrahlung und der Modultemperatur. Und dabei gilt: Je kälter die Module sind, umnso höher ist deren Wirkungsgrad.

Die Stromproduktion eines Photovoltaik-Moduls steigt näherungsweise linear mit der Sonneneinstrahlung. An einem sehr trüben Tag beträgt tagsüber die Einstrahlung 50-150 W (in Watt pro Quadratmeter). Wenn es dunstig ist, kommen wir auf Werte von 200-400 Watt und bei klarem blauen Himmel auf bis zu 1.000 Watt pro Quadratmeter (je nach Breitengrad auch mehr). Das Modul variiert in dieser Bandbreite zwischen 10-115% seiner Leistungsabgabe in Watt. An einem bewölkten Tag produziert ein Solarmodul also ungefähr 20-30% seiner Nennleistung und bei leichter Bewölkung sind durchaus 50% der Lesitung drin.

Übrigens aufgepasst: Manche Installateure missinterpretieren die Schwachlicht-Kennlinien der Modulhersteller und versprechen Ihren Kunden bei schlechten Lichtverhältnissen 80-90% der Modulleistung! Das ist natürlich nicht möglich. Die Hersteller stellen den Wirkungsgrad eines Modules mit der Einstrahulung in Watt pro Quadratmeter in ein Verhältnis. Der Wirkungsgrad produziert aber noch keinen Strom!

Kurz: Auch das diffuse Licht bei einem wolkenverhangenen Himmel lässt eine PV Anlage ausreichend Strom produzieren. Je nach Sonneneinstrahlung sind 10-50% der Nennleistung einer Solaranlage drin. Bei wechselhafen Wetter mit einem Mix aus Sonne und Wolken ist sogar sehr viel mehr zu erwarten.

Quelle: Photovoltaikstrom im Haushalt – Erfahrungen mit einer netzgekoppelten Photovoltaik-Anlage, Schriften des Weiterbildenden Studiums Energie und Umwelt Heft 1 (1992), 3. Auflage 1995, Universität Kassel